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Roma- und Nazideutschland

Roma- und Nazideutschland

Die Roma-Gemeinschaften im nationalsozialistischen Deutschland (und nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs im September 1939 in ganz Europa) hatten vom NS-Regime viel zu befürchten. Den Nazis zufolge waren Roma-Zigeuner die "Träger fremden Blutes", die auch arbeitsscheu waren und "kriminelle Tendenzen" hatten. Roma wurden als „asozial“ eingestuft, was ausreichte, um in ein Konzentrationslager zu gelangen, in dem sie entweder ein schwarzes Dreieck (asozial) oder ein grünes Dreieck (kriminell) tragen mussten. Der Beginn des Zweiten Weltkriegs im Osten Europas gab den Nazis die Möglichkeit, Roma-Gemeinschaften im besetzten Osteuropa anzugreifen. Vor dem Angriff auf Polen (September 1939) und der anschließenden "Operation Babarossa" im Juni 1941 hatten sich die Nazis darauf konzentriert, die Roma-Gemeinschaft in Deutschland selbst zu verfolgen.

Die Entscheidung, wer Roma ist, hat Dr. Robert Ritter von der Universität Tübingen getroffen. Ritter entwickelte eine Reihe von „Tests“, die vermutlich von Roma durchgeführt werden mussten. Seine sogenannten Tests basierten auf Pseudowissenschaften und er protokollierte seine Ergebnisse sehr detailliert. Ritter glaubte, dass kriminelles Verhalten genetisch von einer Generation zur nächsten weitergegeben wurde. Er glaubte, dass Roma von Natur aus Kriminelle waren. Es waren die Ergebnisse, die die nationalsozialistische Hierarchie wollte, und sie gaben ihnen die Gründe, die sie brauchten, um die Roma-Gemeinschaften im nationalsozialistischen Deutschland zu identifizieren und dann zu isolieren. Später stellte sich jedoch heraus, dass Ritters 'Tests' nicht ganz so wissenschaftlich waren, wie er es gerne ausmachte. Später gaben seine Assistenten an, dass jemand, der als Roma herausgefunden worden war, körperlich bedroht war, wenn er nicht preisgab, wer andere Mitglieder seiner Familie waren und wo sie lebten. Aufgrund dessen schätzte Ritter, dass in Deutschland 30.000 Roma leben.

Nach der NS-Ideologie waren Roma-Zigeuner Menschen, die weder einen regulären Job noch ein reguläres Zuhause hatten. Diese beiden "Mängel" kennzeichneten die Roma-Gemeinschaft als nicht-arisch, und die Nazis bezeichneten die Roma als "Träger außerirdischen Blutes" zu einer Zeit, als die blutige Reinheit die nationalsozialistische Ideologie untermauerte.

Vor dem Zweiten Weltkrieg waren Roma-Familien in Nazideutschland denselben Rassengesetzen unterworfen wie Juden. Zur NS-Regierung gehörten Roma-Familien nicht zu den Deutschen. Dr. Robert Ritter wurde beauftragt, zu entscheiden, nach welchen Kriterien jemand Roma ist. Viele wurden verhaftet, und es ist bekannt, dass einige der inhaftierten Personen sterilisiert wurden, damit sie keine Kinder bekommen konnten. 1936 erhielt Dr. Robert Ritter den Sonderbeauftragten für die Roma-Gemeinschaft im nationalsozialistischen Deutschland. Ritter glaubte, dass es in Deutschland Roma-Zigeuner gibt, die als Arier eingestuft werden könnten. Ritter wollte jedoch auch beweisen, dass Romas im nationalsozialistischen Deutschland kriminelle Merkmale aufwiesen und dass ihre Hauptgefahr darin bestand, in die "reine" deutsche Klasse einzuheiraten und die arische Rasse zu verwässern. Das führte dazu, dass Heinrich Himmler im Dezember 1938 das "Dekret für den Kampf gegen die Zigeunerquälerei" erließ, nach dem sich alle Roma im nationalsozialistischen Deutschland bei der Regierung registrieren mussten. Himmler hoffte, dass das Dekret zur „physischen Trennung der Zigeuner von der deutschen Nation“ und zur „Regulierung der Lebensweise der Rein- und Teilzigeuner“ führen würde. Vor dem Zweiten Weltkrieg wurden Roma-Familien im nationalsozialistischen Deutschland zum Leben eingewiesen in bestimmten Bereichen. Der Sieg in Polen und der Angriff auf die UdSSR schufen jedoch ein Umfeld, in dem die SS gezielte Angriffe gegen Zigeunergemeinschaften in Osteuropa starten konnte. Es wird vermutet, dass im Zweiten Weltkrieg 225.000 europäische Zigeuner ermordet wurden, viele davon in den Todeslagern. Die Zahl wurde jedoch auf 500.000 geschätzt.

Juli 2012


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